
Delinquenz und Resilienz
Der Bereich Delinquenz und Resilienz bündelt Expertise und Angebote an der Schnittstelle von Prävention, Intervention und sozialer Stärkung.
Im Schwerpunkt Delinquenz befassen wir uns mit Kriminalität und Gewalt, insbesondere mit Jugendgewaltkriminalität, politischem Extremismus sowie religiös begründetem Extremismus und herkunftslandbezogenen Gewaltkonflikten. In diesem Bereich sind zentrale Fach- und Beratungsstellen, Projekte und Angebote der Konflikt-, Gewalt- und Radikalisierungsprävention in Sachsen-Anhalt angesiedelt. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Resilienz. Mit Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Elternarbeit unterstützen wir vor allem junge Menschen und Familien in urbanen, segregierten Lebenswelten. Ziel ist es, Ressourcen zu stärken, Marginalisierung entgegenzuwirken und Perspektiven jenseits von Delinquenz zu eröffnen. Dabei nehmen wir auch die Lebenslagen jener jungen Menschen in den Blick, die trotz normativer Lebensführung von sozialen Härten, Bildungsbarrieren und Stigmatisierung betroffen sind.
Die spezialisierten Fachkräfte des Bereichs arbeiten interdisziplinär und multiprofessionell. Wir bündeln wissenschaftliche Expertise aus der Islam- und Politikwissenschaft, Soziologie und Kriminologie sowie der Erziehungswissenschaft und Psychologie mit erzieherischer und sozialpädagogischer Praxis. Unser diverses Team arbeitet mehrsprachig und spricht Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Kurdisch, Persisch und Hebräisch.
Bereichsleitung
Der Bereich wird geleitet von Hans Goldenbaum. Er ist Sozial- und Islamwissenschaftler und arbeitet schwerpunktmäßig zu Gewaltkriminalität, Radikalisierung und politischem Extremismus – Schwerpunkt Islamismus und Auslandsextremismus –, zeitgenössischen Formen des Antisemitismus sowie zu herkunftslandbezogenen Gewaltkonflikten. Außerdem ist er Referent und Coach in der Aus- und Fortbildung operativer Kräfte für die FH POLIZEI Sachsen-Anhalt sowie Systemischer Deeskalations- und Anti-Gewalt-Trainer.
Kontakt: hans.goldenbaum[at]hal-jw.de
Schwerpunkt Delinquenz
Fach- und Beratungsstelle Gewalt- und Radikalisierungsprävention im Land Sachsen-Anhalt SALAM
Mit Büros in Magdeburg und Halle sowie aufsuchend landesweit aktiv sind die Handlungsschwerpunkte der Fach- und Beratungsstelle Konflikte, Gewaltvorfälle und Radikalisierungsdynamiken im Kontext religiös begründeter islamistischer Extremismus, Polarisierungsdynamiken und sogenannte herkunftslandbezogene Fallkonstellationen mit Auslandsbezug und ethnischen, ethno-religiösen oder politischen Hintergründen. Fortbildungsangebote werden ebenso vorgehalten, wie persönliche und fallbezogene Beratung und Unterstützung insbesondere an Schulen, in der Kinder- und Jugendhilfe oder in Behörden. Das Team der Anlaufstelle Distanzierung arbeitet im Bereich der Deradikalisierung in der Einzelfallarbeit.
Web: https://www.salam-lsa.de
Mail: info[at]salam-lsa.de
Tel: +49 (0)1520 2002388
Fachstelle Relex im Fachzentrum Radikalisierungsprävention in Vollzug und Straffälligenhilfe
Die Fachstelle religiös begründeter Extremismus im FRAP bearbeitet und koordiniert alle phänomenspezifischen Bedarfe zu den Themenkomplexen Islamismus und gewaltförmiger Salafismus sowie ethno-religiöse Konflikte im Kontext Straffälligenhilfe und Strafvollzug. Die Fachstelle bietet Fortbildungen sowie Coaching und Beratung von Fachkräften an, die bei der Prävention von Radikalisierung im Phänomenbereich sowie im Umgang mit neuen, herausfordernden Fallkontexten unterstützt werden.
Web: https://frap-lsa.de/fachstellen/
Mail: fachstelle-relex[at]frap-lsa.de
Tel: +49 (0)1577 3197533
Projekt 3i – Intimität, Identität und Ideologie. Sexualpädagogische Professionalität in der Radikalisierungsprävention
Sexualität, Geschlecht und Körperlichkeit spielen für religiös begründete Radikalisierung und Gewalt eine zentrale, bislang jedoch fachlich unterbelichtete Rolle. Das Projekt entwickelt im ersten Förderjahr eine modular aufgebaute, überwiegend digitale Fortbildungsreihe primär für Fachkräfte der tertiären Radikalisierungsprävention und angrenzender Arbeitsfelder. Ziel ist es, sexualitäts- und genderbezogene Dynamiken, die Radikalisierungsprozesse beeinflussen und strukturieren können, zu kennen und in Fallkonstellationen wahrnehmen zu können, so-wie professionelle Handlungssicherheit zu stärken. Das Projekt entwickelt dazu praxisnahe, nachhaltig nutzbare Qualifizierungsformate. Die Fortbildung verbindet sexualpädagogische und sexologische mit etablierten multiprofessionellen Perspektiven aus dem Bereich der Prävention und Intervention. Ab dem zweiten Projektjahr wird sie bundesweit umgesetzt.
Web: http://www.projekt3i.de
Mail: info[at]projekt3i.de
Tel: +49 (0)1520 20023-84
Klartext. Schülergremium Halle
Klartext bietet als kriminalpädagogische Maßnahme eine Alternative zum herkömmlichen Jugendstrafverfahren – als erzieherische Maßnahme im Sinne des §45 Abs. 2 JGG. Die Staatsanwaltschaft hat dabei die Möglichkeit von der Strafverfolgung abzusehen, wenn die Maßnahme erfolgreich durchgeführt wurde.
In Sitzungen eines ‚Schülergremiums‘ sprechen ausgewählte und geschulte Jugendliche und Heranwachsende mit, meist erstmals, straffällig gewordenen Gleichaltrigen, um eine nachhaltige Reflexion des delinquenten Verhaltens anzuregen. Dabei nehmen die Gremiumsmitglieder eine aktive Rolle ein und setzen Impulse für eine Auseinandersetzung mit der Tat und den Hintergründen. Zudem soll gemeinsam eine geeignete Sanktion vereinbart werden. Die Sitzungen finden außerhalb eines Gerichts statt und werden von Projektmitarbeitenden begleitet, welche auch die Erfüllung der besprochenen Sanktion kontrollieren und dokumentieren.
Web: https://www.hal-jw.de/klartext
Mail: klartext[at]hal-jw.de
Tel: +49 (0)151 57687403
Prävention zu Beginn einer Delinquenzphase – intensive Kurzzeitintervention für Familien (Hinweis: aktuell keine Fallannahme, aufgrund der kommunalen Haushaltssituation nicht gefördert)
Das Angebot richtet sich an Famiien von jungen Menschen, die entweder in der Schule stark auffällig sind, die erstmalig straffällig geworden sind oder bei denen sich die Tendenz einer Delinquenzkarriere abzeichnet. Das Intensivprogramm will schnell und niedrigschwellig einen stabilisierenden und ressourcenorientierten Unterstützungsrahmen im Familiensystem zur Verfügung stellen und adressiert mit einem Fokus auf parentale Hilflosigkeit insbesondere die Eltern. Aufgrund der spezifischen fachlichen und sprachlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden können dabei nicht nur, aber insbesondere die Bedarfslagen von zugewanderten Eltern bearbeitet werden.
Web: https://hal-jw.de/delinquenz-und-resilienz
Mail: abdulrahman.alibrahim[at]hal-jw.de
Tel: +49 (0)1520 2002392
Irritationen. Antisemitismuskritische Bildungsarbeit
Irritationen. ist ein zielgruppenspezifisches, niedrigschwelliges Angebot der politischen Bildung, das antisemitische Narrative nicht nur „widerlegt“, sondern pädagogisch bearbeitet. Grundlage ist eine Pädagogik der Irritation, die in alltagsnahen Gesprächen und Übungen Perspektivwechsel ermöglicht und Deutungsmuster verunsichert, ohne Teilnehmende zu beschämen. Dabei verbindet das Projekt multiperspektivische Lernsettings mit dialogorientierter Praxis und hoher Emotionssensibilität. Positionen werden ernst genommen und konfrontiert, zudem jedoch Bedürfnisse und Emotionen, die antisemitische Deutungen attraktiv machen, in den Blick genommen.
Irritationen nutzt auch erinnerungspädagogische Bezüge, um historische Tiefenschärfe herzustellen, und greift zugleich relevante Gegenwartsdynamiken – etwa im Kontext Israel/Palästina – auf. Durch Perspektivenvielfalt und die Einbindung jüdischer israelischer und palästinensischer Bildungsreferent:innen werden hierbei Homogenisierungen und Kollektivzuschreibungen irritiert und auf eine menschenrechtsorientierte Wertebasis fokussiert.
Ziel ist es, antisemitische Deutungsangebote zu entattraktivieren und Teilnehmende darin zu stärken, alternative Deutungen, Ausdrucksformen und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Web: https://www.hal-jw.de/irritationen
Mail: irritationen[at]hal-jw.de
Schwerpunkt Resilienz
Jugendtreff Halle-Neustadt „unserhayat“
Der Jugendtreff Halle-Neustadt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren aus dem Halleschen Westen, die oft von sozialen, familiären oder individuellen Belastungen betroffen sind und von Angeboten der Jugendhilfe bis dato nur schwer erreicht werden.
Im Mittelpunkt stehen lebensweltnahe, bedarfsorientierte Angebote der offenen Jugendarbeit. Ein mehrsprachiges, multiprofessionelles Team mit hoher Sozialraumkenntnis arbeitet konsequent aus der Perspektive der Jugendlichen und greift ihre Erfahrungen, Interessen und Themen auf. Der Jugendtreff bietet Raum für Begegnung, soziales Lernen und Selbstwirksamkeit: durch „freies Spielen und Chillen“, erlebnispädagogische, demokratiepädagogische und bildungsbezogene Angebote, sowie Beratung und schul- und familienbezogene Unterstützung in Einzel- und Gruppensettings. Ziel ist es, jungen Menschen Anerkennung, Orientierung und Handlungsstrategien zu vermitteln, sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken und Perspektiven jenseits von Ausgrenzung, Delinquenz und extremistischen oder gewaltförmigen Rollenangeboten zu eröffnen.
Web: https://unserhayat.club
Mail: info[at]unserhayat.club
Tel: +49 (0)1577 1260374
Modellprojekt Unser Leben gestalten – Begegnungs- und Bildungsarbeit in Sozialraum und Lebenswelt
In unserem Projekt schaffen wir Räume, in denen junge Menschen – insbesondere mit Flucht- und Migrationsgeschichte – ihre Erfahrungen, Perspektiven und Talente einbringen können. Ziel ist es, Selbstorganisation, Empowerment und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Gemeinsam mit einem vielfältigen Team entwickeln die Jugendlichen eigene Bildungs- und Begegnungsangebote, tauschen sich mit politischen und gesellschaftlichen Akteur:innen aus und gestalten kreative Projekte zu Themen wie Identität, Diskriminierung und Zusammenleben. So entstehen Erfahrungsräume, in denen gegenseitiges Verständnis wächst, Vorurteile abgebaut und neue Formen sozialen Handelns erprobt werden.
Web: https://hal-jw.de/
Mail: esther.widmann[at]hal-jw.de
Tel: +49 (0)1520 2002391
Migrationssensible Hilfen zur Erziehung
Die migrationssensiblen Hilfen zur Erziehung sind eine spezialisierte Form der ambulanten Hilfen nach §§ 30 und 31 SGB VIII. Sie richten sich an Familien mit Flucht- und Migrationserfahrung und sind spezialisiert auf die Bearbeitung migrationsspezifischer Belastungen und Dynamiken im Hilfeprozess unter Berücksichtigung von Sozialisationseinflüssen im Herkunftsland.
Ein mehrsprachiges, multiprofessionelles Team arbeitet lebensweltorientiert und aufsuchend im Alltag der Familien. Zentrale Bestandteile sind kultursensible Erziehungsberatung, die Stärkung elterlicher Handlungssicherheit sowie die Entlastung von Kindern und Jugendlichen in migrationsbedingten Rollen- und Loyalitätskonflikten. Sprach-, Kultur- und Kontextkompetenz der Fachkräfte ermöglichen eine direkte Kommunikation ohne Dolmetscher und schaffen Vertrauen, Transparenz und eine realistische Einschätzung von Risiken und Ressourcen.
Ziel der Hilfen ist es, familiäre Krisen frühzeitig zu stabilisieren, Eskalationen und Hilfeabbrüche zu vermeiden und tragfähige Perspektiven für Kinder, Jugendliche und Eltern zu entwickeln. Für den ASD bieten migrationssensible Hilfen eine fachlich fundierte, steuerbare und wirksame Unterstützung bei der Hilfeplanung und im Hilfeverlauf.
Web: https://hal-jw.de/hze-migration
Mail: hze-migration[at]hal-jw.de
Tel: +49 (0)1520 20023-92/ (0)1520 9771372
Soziale Kompetenztrainings/(S)AGT
Die sozialen Kompetenztrainings richten sich an Jugendliche mit Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen, Affekten und (aggressiven) Impulsen sowie den daraus entstehenden Konflikten. Ziel ist es, soziale Handlungsfähigkeit, Selbstwahrnehmung und einen konstruktiven Umgang mit Krisen zu stärken.
Im Einzelsetting wird intensiv an individuellen Lebenslagen, biografischen Erfahrungen sowie Ressourcen und Belastungen gearbeitet. Destruktive Denk- und Handlungsmuster werden gemeinsam reflektiert und bearbeitet, um emotionale Selbststeuerung, soziale Kompetenzen und Selbstwert nachhaltig zu fördern. Eltern- und Fachkräftegespräche sind integraler Bestandteil des Prozesses.
Das Systemische Deeskalations- & Anti-Gewalt-Training (SAGT®) richtet sich an Gruppen in Schulen und Einrichtungen. In interaktiven, konfrontativen Lernsettings werden Kommunikation, soziales Lernen und Verantwortungsübernahme innerhalb der Peergroup gestärkt. Ergänzend werden Fachkräfte fortgebildet und Eltern sensibilisiert, um Veränderungen nachhaltig im sozialen Umfeld zu verankern.
Trainings können auch als Maßnahme nach § 10 Abs. 1 Nr. 6 JGG in Form sozialer Gruppenarbeit angeboten werden.
Mail: abdulrahman.alibrahim[at]hal-jw.de
Tel: +49 (0)1520 20023-92/-93