Unser Leben gestalten
Im Projekt Unser Leben gestalten – Begegnungs- und Bildungsarbeit junger Menschen mit Fluchtbiographie in Sozialraum und Lebenswelt geht es um die Etablierung und Stärkung von sozialraum- und lebensweltorientierter Arbeit von und mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im „Brennpunkt“.
Die Migrationsgesellschaft ist in Sachsen-Anhalt ein vergleichsweise junges Phänomen. Viele junge Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte leben in stark segregierten Stadtteilen mit hohem Problemdruck, eingeschränkten Bildungs- und Teilhabechancen sowie einer angespannten politischen Atmosphäre. Armut, strukturelle Diskriminierung und Alltagsrassismus prägen ihre Lebensrealität ebenso wie ein überlastetes Bildungssystem, das soziale Ungleichheiten oft verstärkt. Zugleich sind sie in Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe sowie der politischen Bildung unterrepräsentiert. Erfahrungen von Ohnmacht – im Kontakt mit Behörden, in Schule und Ausbildung oder im öffentlichen Raum – erschweren die Entwicklung von Selbstwirksamkeit und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
In diesem Kontext entstehen ambivalente Dynamiken: Einerseits Rückzug, Passivität oder Distanz gegenüber Institutionen, andererseits Aufwertungen der Eigengruppe als Reaktion auf Ausgrenzungserfahrungen. Identitäre Abgrenzungen oder – etwa etwa antisemitische, rassistische oder misogyne – Ideologeme gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit können so als scheinbar stabilisierende Orientierungsangebote wirksam werden. Es fehlt an Räumen, in denen junge Menschen Anerkennung erfahren, ihre Perspektiven einbringen und positive Formen von Gemeinschaft aktiv gestalten können.
Hier setzt das Modellprojekt an. „Unser Leben gestalten“ schafft niedrigschwellige, empowernde und aneigenbare Bildungs- und Begegnungsräume im Sozialraum selbst. Junge Menschen – insbesondere jene, die bisher kaum erreicht wurden – entwickeln gemeinsam mit einem vielfältigen, migrationssensiblen Team eigene Projekte und Formate. Sie setzen sich kreativ und dialogorientiert mit Themen wie Identität, Diskriminierung, Zugehörigkeit und Zusammenleben auseinander, treten in Austausch mit politischen und gesellschaftlichen Akteur:innen und erproben neue Formen sozialen und demokratischen Handelns.
Der Ansatz verbindet Selbstorganisation, Peer-to-Peer-Logik und sozialräumliche Verankerung. Bestehende Netzwerke zu Einrichtungen der Jugendarbeit, Migrantenorganisationen sowie Eltern und Bezugspersonen werden aktiv eingebunden, um nachhaltige Strukturen zu stärken. Ziel ist es, Selbstwirksamkeit und eine positive, reflexive Gruppenidentität zu fördern, die nicht auf Abgrenzung, sondern auf Teilhabe und Verantwortung im Gemeinwesen ausgerichtet ist.
Im Zentrum stehen dabei Räume, in denen junge Menschen ihre Erfahrungen, Perspektiven und Talente aktiv einbringen können. Durch selbstentwickelte Bildungs- und Begegnungsangebote entstehen konkrete Gelegenheiten, Verantwortung zu übernehmen, Dialog zu führen und kreative Ausdrucksformen zu erproben. So wachsen gegenseitiges Verständnis, demokratische Handlungskompetenz und nachhaltige Teilhabe im Gemeinwesen.
Web: https://hal-jw.de/bereiche/delinquenz-und-resilienz/unserlebengestalten
Mail: esther.widmann@hal-jw.de
Tel: +49 (0)1520 2002391
